Facebook und die Werbung – macht es doch mal richtig.

Daumen runter für schlechte Werbung in sozialen Netzwerken

Es wird mal wieder Zeit, etwas zu schreiben. Es ist Wahlkampf in NRW. BürgermeisterInnen und LandrätInnen wollen neu gewählt werden. In vielen Großstädten an Rhein, Ruhr, Weser, Ems und Lippe hängen die Plakate. Es sind Schöne dabei, aber auch Hässliche. Es gibt sinnige und unsinnige Kampagnen, die richtigen Botschaften und die falschen, sympathische und unsympathische KandidatInnen.

Viele werden ihre KandidatInnen aber nicht nur auf der Straße oder in der Innenstadt sehen. Denn – jetzt kommt die Standardphrase, quasi die verbale Hohlkammer für alle, die etwas über SocialMedia schreiben – Facebook, Twitter und Co. werden für die Parteien im Kampf um die Wählerstimmen immer wichtiger. Viele erkennen, dass sie etwas in diesem Internet machen müssen.

Ja, Erkenntnis ist wichtig. Nur leider hört es da auch schon oft auf. Es reicht nicht mehr, einfach nur da zu sein oder die Werkzeuge, die vorhanden sind, irgendwie zu nutzen. Die Ideen müssen witzig sein, die Botschaften klar und einfach, um wirklich anzukommen – genau wie auf den Plakaten. Das ist schon mal eine Hürde, die für viele ziemlich hoch liegt. Ist ja auch verständlich. Viele Menschen, die zur Wahl stehen, kümmern sich lieber darum, was sie in ihrer Kommune besser machen können, als wie sie es verkaufen und wie sie ihre Botschaft an den Mann oder die Frau bringen können. In der Kommunalpolitik arbeiten die PolitikerInnen vor allem ehrenamtlich und haben nicht gerade viel Zeit.  Aber der Wahlkampf ist nun mal die Paradedisziplin der Demokratie. Ohne Aufmerksamkeit keine Stimmen, ohne Reichweite keine Aufmerksamkeit. Ich will jetzt gar nicht von Botschaften oder einer Sprache reden, die über die politisch Interessierten hinaus verstanden wird. Das würde jetzt zu lange dauern.

Es gibt auch eine andere Möglichkeit: Geld in die sozialen Netzwerke pumpen. Gute Idee. Facebook gibt den Parteien die Chance, besonders effizient und günstig Werbung zu schalten. Hier kann man viel schaffen. Man kann sehr zielgenau Menschen erreichen. Man kann Aufmerksamkeit und Reichweite erzielen. Macht das.

Aber eine Bitte habe ich: Macht es richtig! Ich nehme jetzt mal fiktive Beispiele, damit sich niemand angegriffen fühlt: Ich will keine Werbung vom CSU Kandidaten aus dem tiefsten Niederbayern sehen und in Düsseldorf könnte ich auch nicht viel mit dem Grünen Kandidaten aus Monheim anfangen.
Ich freu mich wirklich, wenn ich Werbung aus allen möglichen Wahlkämpfen sehe – das hat bei mir aber vorerst professionelle Gründe. Dann kann ich sehen, was im Landso los ist. Als Wähler bin ich allerdings echt der Falsche.
Und das hat einen einfachen Grund: Ich kann Euch gar nicht wählen! Oder wie im Fall der CSU: Ich würde Euch gar nicht wählen wollen – einfach, weil ich mich zum Beispiel für ein menschliches Miteinander interessiere, Ihr Euch eher für plumpen “das wird man ja mal sagen dürfen”-Populismus. Oder die falsche Werbung bringt deswegen nichts,  weil eben in Düsseldorf keine Wahlkabine für die Wahl in Monheim steht.

Klar,  Werbung funktioniert auch nur dann wirklich gut, wenn die Inhalte stimmen, aber dass man vor Ort vorkommt und sichtbar wird, kriegt man auch schon mit Geldmitteln und übersichtlichen zeitlichen Ressourcen hin. Aber: verschwendet Euer Geld nicht. Ihr wollt doch Leute erreichen, mit denen man im Zweifel auch ins Gespräch über Eure Themen vor Ort kommen kann. Ihr wollt Leute erreichen, die Eure Ideen weiter tragen. Und das kann gut funktionieren, wenn man es richtig macht. Deswegen mein Vorschlag: Stellt die Werbung vernünftig ein.

Am Ende ist damit jedem geholfen: Ihr könnt effektiv arbeiten und ich kriege nicht alles vorgesetzt, was bei mir im Zweifel nur Irritation auslöst.

Wahlkampf NRW 2012

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Im Wahlkampf 2012 hatte ich die Möglichkeit für die GRÜNEN NRW zu arbeiten, für die Partei die Videoproduktion zu übernehmen und die Online-Kommunikation von @kre8tiv zu unterstützen. Viel wurde über die Webauftritte der Parteien diskutiert. Spätestens durch das aufkeimende Interesse an Internetkampagnen aufgrund der Stärke der Piratenpartei wurde auch in den sog. klassischen Medien über die Internetpräsenzen aller Parteien diskutiert. Ich werde in den nächsten Wochen immer mal wieder über die Entstehung und Reaktionen auf die verschiedenen Filmchen schreiben. Vorab einige Inhalte, die wir alle komplett selbst produziert haben:

Als erstes: Der umstrittenste Clip: ca. 500 Arbeitsstunden, lediglich 1 Woche Zeit, Produktionskosten <10.000€, Alles handmade – Der Wahlwerbespot!

 

 

Als zweites: Nachdem die CDU ankündigte, in diesem Wahlkampf keinen Song zu produzieren, haben wir überlegt, für uns selbst einen aufzunehmen. Die Düsseldorfer Band “Half a running Ghost” spielte den Song “Der Unterschied” ein und wir kümmerten uns um die Videoproduktion. Wieder alles handmade:

 

 

Zum Schluss noch ein kleines Schmankerl: Bei unserem Auftakt in den Wahlkampfendspurt besuchte uns die ZDF Heute Show. Als unsere Mitglieder zu Internet und Piraten befragt wurden, haben wir uns kurzerhand entschieden, den Spieß einmal umzudrehen. Das Mikro völlig übersteuert, die Kamera einfach einem Kollegen in die Hand gegeben, keinerlei Konzept vorbereitet, habe ich mir Lutz van der Horst geschnappt und ein wenig überrascht.

 

 

Ich werde in den nächsten Wochen immer mal wieder über die Entstehung der einzelnen Clips schreiben. Natürlich haben wir, wie schon 2009 und 2010, etliche Inhalte auf Youtube gestellt. Ich werde mich aber auf meine Highlights beschränken.